zermatt, 2-tagestour

am freitag, nach dem ende unseres saas fee abenteuers, frühstücke ich gemütlich und fahre anschliessend rauf nach saas fee, um mich im bergführerbüro nach der möglichkeit zu erkundigen,diegorge-alpine auch selber mit eigenen gästen durchführen zu können. die gorge-alpine ist ein spektakulärer klettersteig/funpark in der schlucht zwischen saas fee und saas grund. nach einem schweremunfall mit einem ausländischen bergführer wird noch abgeklärt, ob dies in zukunft weiter möglich ist. ich kriege bescheid.
anschliessend fahre ich nach zermatt um ....
.... im tannenhof bei christine einzuchecken. dort ist es billig, zentral gelegen und die chefin ist nett. 
schwer bepackt nehme ich den zug von täsch nach zermatt und quäle mich bei einer affenhitze durchs dorf. 
um die verhältnisse oben abzuchecken fahre ich gegen mittag noch aufs klein matterhorn rauf, bewaffnet mit meinem fernglas. 
clemens, mein gast ist auf urlaub mit seiner frau in zermatt und ,darf' zwei tage mit mir was unternehmen. 
mit ihm habe ich in den letzten jahren einige sachen im ötztal gemacht, vorwiegend sehr lange touren. er ist sehr fit, und hat sich heute selber am breithorn akklimatisiert. 
sein traum wär das matterhorn, wobei ich ihm schon im vorfeld gesagt habe, dass das um diese jahreszeit wohl nix wird. 
auch die zermatter bergführer sind noch nicht wirklich aktiv, bieten nur breithorn und pollux an.  
clemens's zweiter wunsch wäre die lyskamm überschreitung. 
am weg rauf mit der gondel und dann auch oben, verschaffe ich mir einen ersten überblick. der grenzgletscher schaut gut aus, ist aber noch nicht gespurt. dufour über den westgrat hat eine spur, zwei sind grad beim absteigen. am castor gab es ein mächtiges schneebrett, eine einzelne spur ist schwach zu erkennen. 
ich plane am samstag am klein matterhorn zu übernachten, früh morgens die castor - lyskamm überschreitung bis zur signalkuppe zu versuchen. am montag dann ev. über die zumsteinspitze und den grenzgipfel auf die dufourspitze,  und dann noch abstieg zum roten boden.  
leider macht mir die baustelle am klein matterhorn einen strich durch die rechnung, es gibt die nächsten tage keinen platz mehr zum übernachten. somit bräuchten wir einen dritten tag mit der ersten nacht auf der sellahütte, der zweiten auf der signalkuppe. 
theoretisch ist es auch möglich von der sellahütte über den lyskamm zu gehen und noch am selben tag über den grenzgletscher abzusteigen. 
allerdings wären wir dann sehr spät dran, und mir ist es bei diesen temperaturen als zweierseilschaft zu gefährlich. 
am schwarzsee steige ich noch mal aus der bahn aus, um mir das matterhorn genauer anzusehen. 
nach dem durchwachsenen frühling und der woche in saas fee habe ich den gedanken an eine matterhorn besteigung zu dieser jahreszeit eigentlich nie wirklich gehabt. 
die ostwand hat noch zuviel schnee. 
verwundert stelle ich fest, dass der berg aber schon eine spur hat. zumindest bis zum dach kann ich durch mein fernglass eine deutliche spur durch die schneefelder erkennen. damit hätt ich nicht gerechnet. ich nehme mir zeit, um den berg genau zu studieren.  
wenn es gut gefriert und wir in der nacht nach oben klettern würden ...? 
doch die sache ist mir zu gefährlich: 
dadurch, dass man sich grossteils in der ostwand bewegt, ist man sehr von den schneeverhältnissen abhängig und die sicherungsmöglichkeiten sind sehr begrenzt oder nicht vorhanden. 
auch hab ich mit clemens noch nie eine technisch so schwere tour gemacht, ich weiss nicht, wie er reagiert. 
ich beschliesse, das matterhorn nicht zu versuchen, das risiko besonders beim abstieg, ist mir zu gross.
ich weiss, dass er enttäuscht sein wird. 
wir treffen uns am späten nachmittag und ich erkläre ihm die möglichkeiten. 
einen dritten tag kann er beim besten willen seine frisch angetraute nicht alleine lassen. verständlich ;-). 
wir beschliessen die dufourspitze von der monte rosa hütte aus zu machen, mit unserem begrenzten zeitfenster eine sinnvolle tour.
halt scheisse weit, aber wenns einer packt, dann clemens. 
also wieder die schneeschuhe auspacken ;-(. 

am samstag treffen wir uns um halb zehn, checken das material, und fahren mit der gornergratbahn rauf zur station rotenboden. 
der wetterbericht für heute sagt für den nachmittag regen voraus, die gut 2 1/2h hüttenzustieg schaffen wir, so wie es beim losgehen ausschaut, aber noch davor.
der zustieg zur monte rosa hütte ist ein wenig mühsam: man verliert aufgrund einer notwendigen querung der zunge des gornergletschers einiges an höhe. an der talsohle angekommen muss man sich den weg durch wirklich übles schutt/geröll/toteisgelände zum grenzgletscher suchen.
wir steigen über den hier unten aperen grenzgletscher zu den gletscherschliffplatten des teilweise versicherten hüttenzustieges auf.
inzwischen hat es bereits zu regnen begonnen und als wir die ersten stufen und seile erreichen, beginnt es in der ferne bereits zu blitzen und zu donnern.
der niederschlag ist schon eine mischung aus starkem regen und hagel.
hier ist kein guter platz um in ein gewitter zu kommen, aber noch gehts.
wir hetzen die ersten seile nach oben, doch als die blitze immer näher zu sein scheinen, suchen wir uns einen unterschlupf. durch zufall ist der einzige grosse felsblock genau in unserer nähe, und wir können uns in einen spalt verkriechen. das hochwetter ist jetzt genau bei uns, die luft wird immer wieder durch blitze erleuchtet.
ich will das gewitter hier aussitzen. die luft hat empfindlich abgekühlt, und mit unseren doch feuchten klamotten wird uns ohne bewegung schnell kalt.
das unwetter zieht sich, immer wieder beginnt das blitzen und donnern von neuem. ich kann durch unseren spalt einige gruppen unten am gletscher sehen, da haben wir es ja noch gut. als drei recht schlecht ausgestattete wanderer unseren unterstand passieren, bieten wir ihnen den restlichen spärlichen platz an.
nach ca. einer stunde wage ich den weiterweg, es regnet nur noch stark.
nach den letzen 300hm erreichen wir ein bisschen fröstelnd und nass die monte rosa hütte. genau als ich die terrasse betrete, blinzelt die sonne durch die wolken. einige zeit später sind auch die anderen gruppen angekommen und die nun warme luft auf der hüttenterrasse wird als trockenraum für sämtliche kleidungs- und materialgegenstände genützt.
mein rucksack hat dicht gehalten.

clemens haut sich ein wenig aufs ohr, frühstück gibts morgen um ein uhr 😳.
gegen neun lege ich mich auch ins bett und versuche zu schlafen. ich tue mich wie immer schwer, so früh einzuschlafen.
als der wecker kurz vor ein uhr klingelt, habe ich das gefühl erst grad die augen zugemacht zu haben.
runterstolpern und müsli reinwürgen.
mit uns sind noch sechs skitourengeher und zwei dreierseilschaften mit dem gleichen ziel im speisesaal.
wir sind die einzigen fussgänger die schneeschuhe dabei haben.

die ersten 300hm von der hütte bis zum gletscher folgen wir alten tiefen spuren, neben diesen würden wir immer wieder einbrechen. recht mühsam erreichen wir den gletscher, das laufen mit den schneeschuhen über die mittelsteilen hänge funktioniert sehr gut.
vor uns sind zwei skitourengeher, auf ca. 4000m trennen sich unsere wege.
sie steigen zum silbersattel auf, ich will den weg über den sogenannten sattel und den westgrat nehmen.
aber hier gibt es durch den gestrigen niederschlag und den wind keine spur mehr. es ist immer noch stockdunkel und der starke westwind lässt uns bereits jetzt ein wenig frieren. kurz unterhalb des bergschrundes ist schluss mit den schneeschuhen, es wird zu steil.
uns ist bereits so kalt, dass es uns graut von den schneeschuhen auf die steigeisen umzubauen. aber wat mut dat mut 😉.
die überwindung des schrundes ist durch den neuen schnee auch nochmal spannend, wir erreichen mit dem ersten tageslicht den sattel auf 4350m.
die erhoffte sonne lässt leider auf sich warten, wir werden sie erst am gipfel, und da nur kurz, zu spüren bekommen.
am westgrat angekommen bläst uns ein eisiger wind entgegen. das gehen in der alten zugewehten spur ist mühsam, immer wieder müssen wir wegen des starken sturmes stehenbleiben. das interesse fotos zu machen oder die landschaft zu geniessen hält sich aufgrund der kälte und der windböen in grenzen.
der aufstieg über den grossteils frisch verblasenen grat zieht sich in die länge.
steifgefroren sind die eigentlich leichten kletterstellen durchaus konzentrationswürdig. nach einer gefühlten ewigkeit erreichen wir schliesslich den höchsten punkt.
ich versuche mir unter grösster konzentration eine gipfelzigarette anzuzünden, der wollfäustling darf ja nicht wegfliegen.
kurz nach uns sehen wir die ersten skibergsteiger durch unsere abstiegsrinne hochkommen. ein kurzes gratuliere und schon machen wir uns an den abstieg.
die fixseile sind teilweise noch unter dem schnee begraben, durch den guten trittschnee kommen wir aber gut zum silbersattel.
clemens bekommt während des abstiegs durch die rinne einen fetten eisbrocken von den nachher absteigenden bergsteigern aufs knie geballert, aber er beisst durch.
den ursprünglichen plan auch noch das nordend zu besteigen, haben wir beide nie wieder angesprochen.
die bedingungen sind zu unfreundlich.
wir folgen der skiaufstiegsspur durch den von mächtigen querspalten durchzogenen gletscher.
erst auf ca. 4000m machen wir eine Pause. es ist das erste mal seit stunden windstill und sonnig.
die skifahrer überholen uns nun. ja, skier wären nun ein hit, man könnt bis zur hüttenterrasse abfahren. vor uns liegt noch ein ziemlicher hatscher und 1200hm bis zur monte rosa hütte.
aber auch diesen weg bringen mir flott zurück, langweilig ist es nicht, bergauf haben wir ja nichts gesehen.
erst kurz vor der hütte brechen wir bei wenigen schritten durch die schneedecke. der wirt ist beeindruckt, dass wir schon da sind.
8,25h hoch/runter. nicht schlecht.
wir essen und trinken, ruhen uns aus.
der rückweg bis zur station rotenboden zieht sich nochmal grausig in die länge, es muss 400hm abgestiegen, schuttbedeckter gletscher gequert und wieder 400hm aufgestiegen werden.
müde erreichen wir den bahnhof und fahren mit der zahnradbahn runter nach zermatt.
beide wollen wir nur noch raus aus den schuhen, ab in die dusche und uns ein wenig hinlegen.
wir machen ein treffen für morgen früh zu einem vormittagskaffee aus, um uns zu verabschieden.
mein fazit zu dieser tour:
scheisse weit, scheisse kalt, aber trotzdem war's ein besonderer tag.
ich werd die dufourspitze auf dieser strecke im sommer so schnell nicht mehr führen. es ist für normal trainierte bergsteiger einfach zu weit. wenn dann von der signalkuppe her und auch da mit einer nacht auf der monte rosa hütte. oder halt als skitour. aber dann im winter.
ich freu mich jetzt auf zu hause, auf meine frau und meine kinder.
die nächsten beiden wochen werde ich in den ostalpen verbringen, im ötztal und am venediger. niedriger, weniger weit, aber nicht weniger schön.
lg
paul